Setze Deine Schiffe in Brand

Ein Mensch, der sich entscheidet, etwas zu verändern, der besitzt mehr Mut, Aktivität und Entschlossenheit als einer, der es nur versucht. Warum es uns aber trotzdem oft schwer fällt, echte Entscheidungen zu treffen.
Holger Zander
August 11, 2021

Wenn ein Herrscher auf einem Feldzug seine eigenen Schiffe verbrennen ließ und sich dadurch den Fluchtweg abschnitt, wollte er auf diese Weise seine Tapferkeit und Entschlossenheit beweisen. Für die Soldaten bedeutete das: Es gibt kein Zurück. Keine faulen Ausreden mehr. Jetzt zählt nur der Sieg, um neue Schiffe zu bauen und wieder nach Hause zu fahren. Das ist eine echte Entscheidung. Eine echte Entscheidung aktiviert die inneren Qualitäten, die sonst nicht aktiviert werden. Kein „Ich versuche das mal“, keine Lippenbekenntnisse, keine Durchhalteparolen oder ein zaghaftes „Morgen fange ich damit an“. 

Emotionen gehören dazu

Ein Umzug ist so eine echte Entscheidung und zugleich eine sehr emotionale Angelegenheit. Markiert er doch das Ende eines Lebensabschnitts und den Beginn von etwas Neuem. Ich bin mit meiner Familie vor ein paar Wochen umgezogen. 20 Jahre haben wir in München gelebt. Meine beiden Töchter sind dort aufgewachsen, sind zur Schule gegangen, haben Abitur gemacht und Freunde fürs Leben gefunden. Nun leben wieder in der Heimat in Norddeutschland und es schleicht sich ein Hauch von Melancholie ein. 

Während ich meine Sachen in München in Kartons packte, sortierte ich gleichzeitig meine Gedanken und Erinnerungen. Ich überlegte, was mit soll, was für mich eine Biografie hat, also einen emotionalen Wert hat und was auf dem Wertstoffhof landet. Dabei entrümpele ich gleichzeitig meinen Kopf. Diese Phase bietet neben den Verlustgefühlen auch eine Chance. Wir fangen nochmal neu an und versuchen bergab zu laufen, ohne zu stolpern – in der neuen, alten Stadt, in der wir geboren wurden. Das ist eine richtige Entscheidung. Sie ist geprägt durch Emotionen, Erinnerungen sowie Vorfreude und Skepsis. 

Entscheidungen verändern unser Leben 

Ein Mensch, der sich entscheidet, etwas zu verändern, der besitzt mehr Mut, Aktivität und Entschlossenheit als einer, der es nur versucht. Ich kann nicht versuchen, umzuziehen, dann werde ich scheitern. Wir können uns verändern und persönlich wachsen, wenn wir echte Entscheidungen treffen. Sei es beispielsweise einen Veränderungsprozess zu starten, abzunehmen, sich gesünder zu ernähren, eine Beziehung zu beenden, den Job zu wechseln oder aufzuhören zu rauchen. Echte Entscheidungen lösen im Leben eine Kettenreaktion aus. Zum Beispiel Mahatma Gandhi. Als der zerbrechliche, kleine Inder sich entschied, sich der britischen Herrschaft gewaltlos zu widersetzen, ohne einen Schuss abzufeuern, wurde er ausgelacht. Schließlich brachte seine Entscheidung des gewaltfreien Wandels Indien die Freiheit zurück. Und er beeinflusste mit seiner Entscheidung und seinem Wirken viele Menschen auf diesem Planeten.  

Angst, den falschen Weg zu gehen

Im beruflichen Kontext zögern leider viele Führungspersönlichkeiten, Entscheidungen zu treffen und schieben sie immer wieder hinaus. Insbesondere in Change-Prozessen. Sie haben Angst davor, die falsche Entscheidung zu treffen. Den nach ihrer Meinung falschen Weg einzuschlagen. Sie haben Angst davor, was die anderen sagen könnten oder, dass der Chef mit ihrer Entscheidung nicht einverstanden ist. Wir alle haben in unserem Leben bereits falsche Entscheidungen getroffen und fürchten uns jetzt davor, diese Erfahrung wieder zu erleben. Allerdings: Keine Entscheidung zu treffen ist viel schlimmer, als die Falsche zu treffen. 

Aus einer falschen Entscheidung lernen wir. Es ist kein Fehler, sondern eine negative Erfahrung, aus der jemand etwas Positives lernen kann. Entscheidungen zu treffen, zeichnet Führungspersönlichkeiten aus und macht sie reifer und erfahrener. Die Konsequenz daraus: Sie handeln und lernen aus den Resultaten, setzen diese zielorientiert ein, geben niemals auf und produzieren bessere Ergebnisse, bis sie ihr Ziel erreicht haben. Die Fähigkeit, trotz Rückschlägen und Hindernissen weiterzumachen, ist die Basis für Erfolg im Beruf und im Leben. Treffen Führungspersönlichkeiten keine echten Entscheidungen, dann bekommen sie immer das, was sie bereits haben. Sie treten auf der Stelle und erreichen ihre Ziele nicht. Entscheiden heißt, den Sieg in Besitz nehmen. Sein Wollen, seine Energie und seine ganze Kraft darauf zu fokussieren, um zu siegen. 

Komfortzone verlassen

Veränderung lernen wir nicht in der Schule, sondern im täglichen Leben. Sei es der Jobwechsel, die Geburt des Kindes, die neue Beziehung, Scheidung, ein Umzug, die Einführung einer neuen Software, Homeoffice usw. Ich bin der Meinung, dass Veränderungen einen zukunftssichernden Charakter haben. Es macht keinen Spaß, manchmal tut es weh. Doch wenn wir es geschafft haben, unsere Komfortzone immer und immer wieder zu verlassen, blicken wir am Ende des Prozesses zurück und sind stolz auf unsere Persönlichkeitsentwicklung. 

„Sei entscheidungsfreudig und richte Deine Aufmerksamkeit auf die positiven Möglichkeiten“, sagte mein Großvater zu mir. Und als ich vor 20 Jahren die Entscheidung getroffen habe, aus meinem Dorf mit meiner jungen Familie nach München zu ziehen und alles was ich kannte zurückzulassen, um neu anzufangen, bin ich selbstbewusster, entschlossener und erfolgreicher geworden. Ich bin an den Abgrund gegangen und ins Leere gesprungen, weil ich unbedingt die nächste Stufe erreichen wollte. Ich wusste nicht, was mich alles erwartet und bin dennoch gesprungen. Ich habe mir ein Ziel gesetzt und meine ganze Kraft und Energie aufgebracht, um es zu erreichen. Ich habe meine Schiffe verbrannt. 

In unseren Entscheidungen liegt die wahre Macht. Diese Macht zu nutzen ist eine richtige Entscheidung. Wichtig dabei ist, sich immer wieder zu fragen:

  • Was will ich verändern?
  • Was will ich anpacken, um mich zu verbessern?
  • Wo habe ich mich noch nicht wirklich entschieden?
  • Wo brauche ich kompromisslose Entschlossenheit? 

Und auf einmal fühlen und sehen wir unsere Zukunft wie glasklares Wasser vor uns liegen.

Praxistipp:

Eine einfache Methode, um Entscheidungen zu treffen ist die PMI-Methode. Fragen wie 

  • Ziehe ich um? 
  • Beende ich die Beziehung? 
  • Fange ich den neuen Job? 
  • Finde ich den Change gut?
  • Soll ich oder Soll ich nicht? 

lassen sich mit der Plus-Minus-Interesting-Methode effektiv beantworten. Es ist eine Methode, die der britische Kreativexperte Edward de Bono zur Bewertung von Ideen und Entscheidungen entwickelt hat. Der Zeitaufwand beträgt ca. 5-10 Minuten und richtet sich gleichzeitig an Deinen Verstand und Dein Bauchgefühl. Denn wir treffen Entscheidungen mit dem Verstand, der Ratio oder intuitiv mit dem Bauch. Zudem visualisierst Du deinen Entscheidungsprozess, sodass alle deine Argumente auf einen Blick vor Dir liegen: 

  1. Zeichne eine Tabelle mit drei Spalten: Plus, Minus, Interessant. 
  2. Du stellst dir den Wecker auf deinem Smartphone auf drei Minuten. Du konzentrierst dich erst darauf, alle Argumente, die dafür sprechen, in die Spalte Plus einzutragen. Alles was Dir dazu einfällt. Stärken der Idee, USP, Vorteile, Freude, Spaß etc. 
  3. Notiere Dir danach auch innerhalb von drei Minuten in die Spalte Minus alle Argumente, die dagegen sprechen. Nachteile, Schwächen, Risiken.
  4. Im Anschluss schreibst Du in der Spalte Interessant alles auf, wo noch Klärungsbedarf vorhanden ist. Weder Plus, noch Minus. Dinge, die noch berücksichtigt werden müssen. 
  5. Jetzt hast Du in aller Kürze eine Pro- und Kontra-Liste vor Dir liegen und bist aufgrund der Daten in der Lage, deine Entscheidung zu treffen. Solltest du noch Schwierigkeiten haben, dann bewerte bzw. gewichte deine Aspekte auf einer Skala von 1= sehr wichtig bis 6= total unwichtig. Zähle die Punkte zusammen und Du hast Deine Entscheidung. 

***

Weitere Informationen

In meinen Intensiv-Seminar „Im Wandel wirkungsvoll führen“ am 21./22 Oktober 2021 im idyllischen Hotel Idingshof in Bramsche sprechen wir am Tag 2 „Change-Management“ u.a. über die Auswirkungen, echte Entscheidungen zu treffen oder nicht, welche Stolperfallen es gibt und wie du Widerstände in Erfolge umwandeln kannst. 

Hier geht es zum Seminar: Führung in disruptiven Zeiten von Holger Zander

Unterstützende Literatur

Link zu „De Bonos neue Denkschule“ von Edward de Bono:

www.amazon.de/Bonos-neue-Denkschule-Kreativer-Effektiver/dp/3868822151/


Trainium ist eine Marke der XO Projects GmbH.
Alle Rechte vorbehalten.