Gute Trainer und Coaches richtig erkennen – und schlechte vermeiden

Wie kann ich vor der Buchung einer Weiterbildung sicher sein, dass die Qualität stimmt? Gerade bei live Formaten hängt das Ergebnis zur Hälfe am Menschen, der die Weiterbildung führt. Viele Anbieter können sich gut in Szene setzen. Aber das macht sie noch nicht zu idealen Trainern und Coaches. Wie unterscheide ich gute von schlechten? Darum geht es im folgenden Beitrag.
Franziska
Februar 22, 2021

Kriterien und Signale zur Bewertung und Auswahl von Weiterbildungsanbietern

Als Weiterbildungsmarktplatz beschäftigen wir uns täglich mit den Bedarfen von Nutzern (und Trainern) von Business Trainings. Dabei rückt eine Nutzer Herausforderung bzw. Frage immer wieder in den Vordergrund: Wie kann ich vor der Buchung sicher sein, dass die Qualität einer Weiterbildung stimmt? Gerade bei live Formaten hängt das Ergebnis zur Hälfe am Menschen, der die Weiterbildung führt. Viele Anbieter können sich gut in Szene setzen. Aber das macht sie noch nicht zu idealen Trainern und Coaches. Wie unterscheide ich gute von schlechten? Welche Kriterien und Signale helfen mir bei der Bewertung und Auswahl von Weiterbildungsanbietern? Darum geht es im folgenden Beitrag.

Starten wir zunächst mit einer Definition und Abgrenzung der zwei Begriffe und der damit einhergehenden wichtigsten Fähigkeiten, die die Person mitbringen sollte. Zu Training vs. Coaching habe ich im Übrigen schon einen eigenen Artikel geschrieben. >> Link zum Beitrag

Individuelle Fähigkeiten, die Trainer und Coaches mitbringen sollten

Ein(e) Trainer:in leitet ein Weiterbildungsformat an, das in erster Linie praktisch ist. Es dient dem Auf- und Ausbau von Fähigkeiten und Vorgehensweisen und hat ein klares Zielbild und meist auch Meilensteine, die man auf dem Weg erreichen will. Ein(e) Trainer:in arbeitet meist mit Gruppen und sollte daher besonders strukturiert, führungsstark, aber auch flexibel sein. Durch den großen Übungsanteil im Training braucht die anleitende Person außerdem einen großen Methodenschatz, eigene praktische Erfahrung und Freude an Praxis und Operationalisierung. Je größer die Gruppe ist, desto mehr sollte ein(e) Trainer:in außerdem Präsenz und Charisma mitbringen, um die Teilnehmer aktiv und motiviert zu halten.

Ein Coach dagegen bietet individuelle Beratung und Begleitung mit dem Ziel, dem Coachee auf dem Weg zur Selbsterkenntnis zu helfen und seine/ ihre Beziehungs- und Führungsqualität weiterzuentwickeln. Dafür braucht der Coach ein sehr spezifisches Methodenset und viel Empathie. Ein Coach muss sich per definitionem nicht an einen strengen Leitfaden halten, aber braucht ein sehr gutes Gefühl für Menschen und ihre Stärken und Schwächen, um ganz individuell zu Aha-Momenten und konkreter Weiterentwicklung zu begleiten. Auch hier wird die Qualität am Ende am Ergebnis und nicht nur am Weg gemessen. Ich betone dies deswegen, weil sehr viele Menschen als Karrierewechsel Option Coaching Ausbildungen machen. Aber nicht alle bringen die nötigen menschlichen Kompetenzen für die wirklich erfolgreiche Ausübung der Aufgabe mit. Ein reines “Abspulen” von Methodik ohne Gespür führt eher zu schlechten oder keinen Ergebnissen. Und das bringt mich zum nächsten Abschnitt:

Qualität erkennen: Kriterien und Signale für die Suche und Auswahl von guten Business Trainern und Coaches

Trainer und Coaches werden kaum die oben genannten Fähigkeiten eins zu eins in ihrer Vita über sich selbst schreiben. Sie werden sich bestmöglich anhand von bisherigen Erfahrungen und Keywords präsentieren. Das macht die Bewertung für Interessenten von Weiterbildungen aber nicht unbedingt leichter. Ich habe im Austausch mit nachweislich erfolgreichen Experten ihres Fachs drei Bewertungskriterien identifiziert, die mit klaren Signalen verbunden sind:

1. Range (vs. Fokus)

Es besteht die landläufige Meinung, echte Experten würden sich auf ein Thema fokussieren, in dem sie die besten sind. Hier kommt eine steile These: Das Gegenteil ist der Fall! Ein absoluter Themenfokus macht keinen besseren Trainer oder Coach. Er macht nur besseres Marketing. Jemand, der für dieses eine Thema steht und das immer und immer wieder benennt, wird zu Personenmarke UND zum König / zur Königin der Algorithmen. In einer Welt, wo Suchmaschinen unsere selektive Wahrnehmung bestimmen, ergibt es Sinn die immer gleichen Keywords zu verwenden, um gesehen zu werden. Aber dieser Fokus kann inhaltlich zur Einbahnstraße werden.

Ein guter Trainer und Coach hat viele Interessen und Wissensgebiete und kann sich aus einer viel größeren Toolbox an Methoden und Herangehensweise bedienen. Eine Trainerin, die sowohl Agiles Lernen als auch Lego Serious Play Workshops anbietet, wird auf beiden Ebenen besser und praktischer anleiten können, weil sich die Themen gegenseitig befruchten. Range ist inhaltlich ein absoluter Vorteil!

Signal für Suchende von Weiterbildungen: Ich persönlich würde Trainer und Coaches bevorzugen, die mehrere unterschiedliche Themen im Portfolio haben. Das spricht für einen breiten Erfahrungs- und Methodenschatz.

2. Adaptionsverhalten (vs. reine Lehre)

Ein weiterer Nebeneffekt von Marketing Automatisierung ist nicht nur der Umgang mit Keywords, sondern die gesamte Standardierung von Produkten und Prozessen. Viele Trainer und Coaches folgen teils schon fast religiös Methoden- und Prozess-Vorbildern, die sich einmal etabliert haben. Dabei entsteht jede Lehre auf Basis bestimmter Bedingungen und Vorzeichen, die sich verändern können. Und daher darf und muss sich die Lehre und das Methodenset auch verändern. Hier ist also wieder eine steile These: Trainer und Coaches, die sich ans Schulbuch halten, sind schlechte Vertreter ihrer Zunft. Ihnen fehlt das Verständnis für individuelle Bedingungen und vermutlich praktische Erfahrung.

Gute Trainer und Coaches erfinden auch nicht ständig das Rad neu, aber haben keine Hemmung “Originale” abzuwandeln, wenn ihre Erfahrungen zeigt, wie es noch besser ginge. Ein gutes Beispiel ist der Design Sprint Prozess. Er wurde von Google Ventures im Silicon Valley entwickelt und für den dortigen Markt und seine Startup-Kultur optimiert. Für viele gilt er, so wie er ist als perfekt. Ein Design Sprint Training kann nun also 1:1 die Anwendung dieses Prozesses vermitteln – oder die Anwendung in unterschiedlichen Umfeldern mit dazugehörigen Adaptionen. Zum Beispiel kann in bisher DS-unerfahrenen Teams das Prototyping länger dauern. Zum Beispiel ist es sehr hilfreich, einige Implementierungsschritte nach Abschluss des Sprints fest in den Prozess zu integrieren. Aber das hat nicht Google gesagt, sondern die Erfahrung 😉

Signal für Suchende von Weiterbildungen: Ich persönlich würde Trainer und Coaches bevorzugen, die mit einer gewissen Respektlosigkeit auch Alternativen zu Methoden und Tools vermitteln. Solange sie den Grund der Adaption gut belegen können, spricht diese Herangehensweise viel mehr für echte Kompetenz.

3. Ergebnisorientierung

Im Training und auch im Coaching ist der Weg nicht das Ziel – das Ziel ist das Ziel! Nutzer von Weiterbildungen wollen ganz konkret schlauer, besser, fähiger werden. Gute Trainer und Coaches stellen sich in den Dienst dieses Ergebnisses. Und obwohl das so offensichtlich klingt, ist das nicht bei allen Anbietern an der Tagesordnung. Ergebnisorientierung ist nämlich aufwändig. Ein Weiterbildungsprodukt rechnet sich dann am besten, wenn es immer und immer wieder exakt so wiederholt wird. Das macht auch online Kurse so beliebt. Sie müssen nur 1x produziert werden. Aber ganz häufig, ist es das Stück Individualisierung, was aus einer Weiterbildung ein 5-Sterne-Produkt macht. Das kann bedeuten, dass eine Trainerin zwischen zwei Einheiten eine bisher ungeplante kleine Hausaufgabe ergänzt. Das kann bedeuten, das ein Coach spontan ein Methode austauscht, weil das Gegenüber einfach eine andere Stimulation braucht.

Und wie erkennt man diese Ergebnisorientierung von außen, bevor man die teure Weiterbildung kauft? So konkret wird es ja kaum in der Beschreibung. Signal für Suchende von Weiterbildungen: Ich persönlich würde Trainer und Coaches bevorzugen, die Ergebnisse anstatt Agendapunkte in der Beschreibung hervorheben. Und ein zweiter Auswahlfaktor können inhaltliche Referenzen sein – also Stimmen von Alumni, die nicht nur Noten vergeben, sondern ganz konkret darauf referenzieren, was sie persönlich erreicht haben – und was auch nicht. Qualitatives Feedback ist also also viel hilfreicher als quantitatives.

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Gibt es noch weitere Kriterien, die dir bei der Auswahl von guten Trainern und Coaches helfen? Ich freue mich über Ergänzungen und Kommentare!

Weitere Leseempfehlungen:

Dieser Artikel geht konkret auf die Auswahl eines persönlichen Coaches ein: https://www.munich-business-school.de/insights/2016/business-coaching-blogparade-themen/ Mit Checkliste!

Dieser Artikel hilft mit “Testfragen” an den Coach, wenn schon eine Prio Liste vorliegt: https://www.coaching-suche.de/den-richtigen-coach-finden

Konkretes Beispiel wie ein Trainer Profil aussehen kann, das Range, Ergebnisorientierung und ein paar überzeugende Auszeichungen und Co. vereint: https://www.letsfindexperts.com/experten/peter-mohr-0?source=search&profile=trainer


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